Das Aufstehen gestaltete sich als morgendlicher Härte-Test - schon wegen des Tretens auf herumliegende Lego-Steine im Flur - und dann erst das Zähne-Putzen. Das Wasser in meiner Stadt hat den höchsten Härtegrad im ganz Deutschland. Und draußen pladdert der Regen.

Anziehen, kurzes Frühstück mit einem hart gekochten Ei und Hartkäse auf Toastbrot. Dann rein in die Allwetter-Jacke, die bei härtesten Regen noch wasserfest ist und den Hartschalen-Rucksack aufgeschnallt. U-Bahn - ich komme. Auch sie ist pünktlich. Kein Sitzplatz, Stehplatz zwischen anderen in Sardinenbüchsen-Formation. Aber im ÖPNV ist man hart im Nehmen.

Angekommen im Betrieb war der hundertprozentige Wachzustand endlich erreicht. Die harte Arbeit konnte beginnen. Im Büro E-Mails abarbeiten, dann ab ins Lager, um eine Paletten-Lieferung Hartfaserplatten durchzuzählen. Zwischendurch eine Kurz-Konferenz - mit ebenso hart arbeitenden Kolleg*innen. Mittagspause.
In der Kantine sitzen wir auf Hartplastik-Stühlen und essentechnisch ist „Türkische Woche“ angesagt. Es gab Köfte mit gegrillten Paprika-Streifen und Couscous - auch bekannt als Hartweizengrieß.

Nachmittagsschicht. Ein Zoom-Meeting mit knallhart verhandelnden Vertreter*innen von Zuliefer-Betrieben. Danach Excel-Listen am Computer bearbeiten - bis 16:30 Uhr. Dann ließ ein Hardware-Problem den Rechner stillstehen und so endete der Arbeitstag in harten Diskussionen mit der IT-Abteilung. Nach Feierabend einen „Absacker“ mit Kollegen in der Bar nebenan. Mädels, Jungs - heute brauch ich was Hartes. Einen doppelten „Hardy Cognac“, bitte.

Um 20:30 Uhr wieder daheim. Raus aus den hartledernden Schuhen und rein in die Puschel-Pantoffeln. Frau und quengelnde Kinder begrüßen. Letztere wollen nicht ins Bett. Hierbei tritt die familiäre Härtefall-Regelung in Kraft - noch ein Eis und dann sofort ohne Zähneputzen ins Bett. Ruhe. Und schon fängt „Hart aber fair“ an. Es geht um die FIFA WM 2026 und Politik in den USA. Aber leider ohne Waldemar Hartmann. Bis zum Ende der „Tagesthemen“ beinhart durchgehalten und dann ermattet ins Bett gefallen - auf die neu angeschaffte Hartschaum-Matratze. Es war ein harter Tag und noch abertausende werden folgen. Hart und härter.

Um mich herum sorgt sich die SPD mit Lars Klingbeil um die „hart arbeitende Mitte“, weil immer mehr hartgesottene Sozi-Wähler*innen zu den Hardlinern am rechten Rand überlaufen, um dort von Alice Weidel als Neu-Ankömmlinge in der „hart arbeitenden Mitte“ der AFD begrüßt zu werden. Die wirklich harten Zeiten werden erst noch kommen.