Rund 35 Jahre später ist Ronald Reagan postum zum spin doctor für Donald Trumps Wirtschafts- und Finanz-Politik geworden. Wenn die reagansche Politik der „Regonomics“ die Öffnung des Tors zur Hölle waren, dann wird der „Trumpismus“ für Millionen US-Amerikaner in den kommenden Jahren ein schmoren in der Hölle werden. Es sei denn Susie Miles gelingt es im Amt der Stabschefin im Oval Office, den 47. Präsidenten der USA an die Grundsätze der tradierten checks and balances zu erinnern bzw. sie ihm überhaupt noch beizubringen.

Im Wesentlichen greift Donald Trump zu denselben wirtschaftspolitischen Maßnahmen wie einst Ronald Reagan, wobei während dessen Amtszeit die uns heute bekannten DigitalTech-Unternehmen (von IBM, Hewlett Packard und anderen Computer-Maschinen-Unternehmen abgesehen) noch gar nicht existierten bzw. erst gegründet worden waren, wie z.B. Apple und Microsoft in den Jahren 1974 / 1975.

Während Steve Jobs und Bill Gates ihre Unternehmen damals aus der Garage heraus an die Börsen zu führen begannen, war Elon Musk in den 1970er Jahren noch Kindergarten-Kind und Grundschüler im südafrikanischen Johannesburg und später in Durban.

Das öffentlich zugängliche World Wide Web (Internet) startete seinen Siegeszug der digital-gestützten Kommunikation ab Anfang der 1990er Jahre. Die UdSSR brach 1989 / 1990 zusammen, die Europäische Union wurde 1993 gegründet (Maastricht-Vertrag), die Euro-Währungszone wurde 2001 / 2002 eingeführt, die Afrikanische Union wurde 2002 gegründet und China startete seine Belt and Road Aktivitäten 2013.

Trump verfolgt wie Reagan die so genannte angebotsorientierte Wirtschafts- und Finanzpolitik mit wesentlich drei Säulen. Massive Steuersenkungen, Abbau staatlicher Subventions-Leistungen und De-Regulierungsmaßnahmen im Wirtschafts- und Finanz-Sektor.

Der Staat soll sich ordo-ökonomisch weitgehend zurückhalten und das Feld den Kräften und Dynamiken des freien Marktes überlassen sowie eine ausgeglichene Geld-Politik betreiben. Grundlage ist hierbei die von Milton Friedman in den 1960er Jahren entwickelte volkswirtschaftliche Theorie des „Monetarismus“. Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass die in Umlauf befindliche Geldmenge den gehandelten Gütern mit ihren Preisen entsprechen soll. Ist gegenüber dem Äquivalent des gesamten Gütermengen-Wertes mehr Geld-Menge im Umlauf, wird Inflation bewirkt (Preissteigerungen und sinkende Kaufkraft), sinkt der gesamte Gütermengen-Wert gegenüber der Geld-Menge, führt dies zur Deflation (Preis-Reduzierungen und gesteigerte Kaufkraft).

Gemäß dieser angebotsorientierten und geldgetriebenen Volkswirtschafts-Theorie regelt das Geld bzw. die Geld-Politik als wesentliches Steuer-Instrument die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage im freien Markt-Geschehen und ist dabei gewissermaßen selbst ein Bestandteil auf der Angebot-Seite, um Nachfrage zu erzeugen, Produktivität zu steigern und im ausgependelten Verhältnis von umlaufenden Güter- und Geld-Mengen Wachstum zu generieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

Demgegenüber steht die zweite große Volkswirtschafts-Theorie von John Maynhard Keynes aus den 1930er Jahren, die im Kern die gesamte Nachfrage von Konsumenten, Unternehmen und teilweise staatlichen Steuerungs-Maßnahmen im Steuer-, Investitions- und Geldpolitik-Bereich, als wesentliche Triebfeder des Markt-Geschehens auffasst. Während sich der Staat bei Freedmans „Monetarismus“ weitgehend aus den marktwirtschaftlichen Mechanismen und Dynamiken heraushalten soll, plädiert der „Keynesianismus“ im Falle von Markt-Verwerfungen für staatliche Eingriffe (z.B. Investitionen, Konjunktur-Programme, flexible Steuer-Politik).

Gemäß Keynes sind Konsum, Investitionen, staatliche Ausgaben / Käufe und Nettoexporte (bereinigte Handels-Bilanz) die vier Komponenten aus deren Summe das gesamte Produktions- und Dienstleistungsaufkommen einer Volkswirtschaft besteht. Ein schwerpunktmäßig rein geldpolitisches Verständnis zur Steuerung von Markt-Dynamiken und der Balancierung von Angebot und Nachfrage, greift zu kurz, weil die Märkte und ihre Akteure eben nicht über so etwas wie eine Art lang anhaltender Selbst-Regulierungskraft verfügen, sondern innerhalb längerer Konjunktur-Zyklen spezifischen – teilweise gar nicht vorhersehbaren oder klar kalkulierbaren - Wechselwirkungen unter allen Beteiligten ausgesetzt sind. Auf diese Dynamiken gelte es möglichst flexibel mit wirtschafts- und finanzpolitischen Steuerungsinstrumenten zu reagieren.

Die hier nur vereinfacht und grob dargestellten Kriterien dieser zwei wesentlichen Volkswirtschafts-Theorien, sollten nicht jeweils als sakrosankte „Bibel“ oder die „wahre Lehre“ verstanden werden, sondern als eine Fülle von Parametern, die wirtschafts- und finanzpolitisch so oder so oder so anders herangezogen werden können. Je nach den Erfordernissen im Zuge dieser oder jener marktwirtschaftlichen Entwicklung.

Bedauerlicher Weise folgte man in den USA ab der Ära Ronald Reagans recht rigide den Theorien des „Monetarismus“ und fiel ideologisch in großen Teilen in die Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor dem rooseveltschen New Deal zurück. Gewissermaßen in Zeiten des „Raubtier-Kapitalismus“, der dann ab 1981 unter Ronald Reagan und bis heute – netter klingend und leicht abgemildert – „Neo-Liberalismus“ genannt wird.

Der 47. Präsident der USA greift auf, was der 40. Präsident mit starrem Fokus auf die angebotsorientierte Monetarismus-Theorie als “Regonomics“ begonnen hat, um erneut das Versprechen „Make Amerika Great Again“ einlösen zu wollen. Neu dabei ist, dass im „Trumpismus“ ein zusätzlicher Schwerpunkt in Form von Handels-Zöllen als wirtschaftliche Waffe eingesetzt wird.

Diesbezüglich war Ronald Reagan nahezu auf dem umgekehrten Weg unterwegs, indem er sich für die Stärkung und Liberalisierung des Freihandels und damit verbunden, um die Reduzierung von Zöllen einsetzte (siehe damaliges US-Engagement zu NAFTA und GATT). Auch dem „Angriff“ der japanischen Auto-Industrie auf den US-Markt ab den 1980er Jahren begegnete die Reagan-Regierung zwar mit bilateralen Abkommen zur Regelung von Import-Mengen japanischer Autos, aber nicht mit pauschalen Straf-Zöllen. Zölle bis zu 100 % wurden jedoch zeitweise auf Elektro-Artikel aus Japan erhoben. Der Walkman war teuer, der Toyota relativ günstig zu haben.

In einer der besten game shows die man je im White House Rose Graden gesehen hat, präsentierte Donald Trump am 02. 04. 2025 sein tariff chart mit ein paar Dutzend ausgewählten Ländern (aus insgesamt 185, die Welt zählt 195 Länder), die fortan mit neuen US-Zöllen belegt werden sollen. Den eigenen new tariffs waren auf Trumps Liste angeblich die jeweils erhobenen Zölle für US-Güter der anderen Länder gegenübergestellt. Angeblich.

Wie spätere journalistische Recherchen zeigten, erwies sich der Deal-Maker Trump als trickser. Im Falle der ausländischen Zölle wurden vielfach Zahlen des jeweiligen Handels-Defizits (Netto-Export-Volumen) zwischen den USA und dem jeweiligen ausländischen Staat mit bereits bestehenden Zöllen zusammengerechnet und dann halbiert. Das Endergebnis wurde wieder durch zwei geteilt und das ergab dann den neu berechneten US-Zollwert. Somit kamen teilweise neue US-Zölle heraus, die tatsächlich höher oder niedriger waren, als die postulierten „nur“ 50 % vom aktuellen Import-Zolls dieses oder jenes Landes. Weil man Handelsbilanz-Zahlen mit reingerechnet hatte.

Warum ist die ganze Zoll-Arie als derzeit zentrales Instrument der trumpschen Wirtschafts- und Finanzpolitik so wichtig und bedeutend? Die kurze Antwort kann in Anlehnung an den früheren MaggieThatcher-Ruf an die Europäische Union gegeben werden – I want my money back.

Lesen Sie weiter in Teil 02 · Der Zoll-Krieg und die Staatsverschuldung >
(Kommt am 16. 06. 2025)