Vorrangig die Krim, die gut 10 Jahre nach der russischen „Grüne-Männchen-Invasion“ de facto, wenn auch nicht de jure, in russischer Hand ist. Die Völkergemeinschaft im Allgemeinen und der Westen im Besonderen, haben die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin-Russland voller Empörung hingenommen - warum sollten sie es nicht weitere 10, 20 oder längere Dekaden lang tun?
Zu erwarten und zu befürchten ist, dass Donald Trump in Sachen Krim-Annexion zugunsten Russlands klein beigibt, um mit der Geste eines solchen „Gast-Geschenks“ am Verhandlungstisch, dann Forderungen nach Waffenstillstand, der Errichtung von neutralen Zonen und Demarkationslinien in den Front-Bereichen und Vorschläge für weitere Verhandlungen über die besetzten Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson zu verbinden und zu formulieren. Ein so oder so ähnlich skizzierter Trump-Putin-Deal zu Lasten der Ukraine würde dann unter dem Schlagwort Friedensplan verkauft werden.
Die Europäer - Emanuel Macron und Keir Starmer zumindest - haben bereits vertraglich die Etablierung einer Art Rückversicherungsarmee zum Schutz der Ukraine auf den Weg gebracht. Rund fünf Jahre nach dem Brexit haben Friedrich Merz und Keir Starmer einen deutsch-britischen Freundschaftsvertrag unterzeichnet, der ebenfalls Elemente der Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung in Europa beinhaltet.
In bestimmten Rhythmen tagt die Ukraine Kontaktgruppe aus etwas mehr als 50 Staaten und unter Bemühung des althergebrachten Begriffs der „Koalition der Willigen“ aus dem Jahr 2003 während des Dritten Golfkrieges, haben sich derzeit rund 30 europäische Staaten zur weiteren Unterstützung der Ukraine formiert.
An Unterstützungswilligen auf europäischer und NATO-Seite mangelt es also nicht. Gemeinsam und mehr oder weniger einig, kratzt man Waffen und Gelder zusammen, um den Verteidigungskampf der Ukrainer wider den russischen Aggressor weiter zu unterstützen - denn, wir erinnern uns - "Uns alle eint ein Ziel: Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen. Die Ukraine muss bestehen.“ (Olaf Scholz, 19. 05. 2022). Und dann gab es dazu immer noch den Begleitruf - what ever it takes - was immer nötig ist.
Bis heute hat allerdings noch niemand ausgerufen - die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen und ihre Grenzen von vor dem 20. 02. 2014 (Krim-Annexion) wiederherstellen. Leider sieht es derzeit danach aus, was die bisher russisch besetzten Gebiete betrifft, dass Teile davon der Ukraine abhandenkommen werden.
Zumindest steht die territoriale Selbstbestimmung der Ukraine zur Disposition, sofern sich Trump und Putin in Anchorage auf das einigen, was Trump im Vorfeld des Treffens in der größten Stadt Alaskas so formuliert hat, „Russia and Ukraine will have to swap some land for peace“.
Landtausch. Wobei sich Trump in seiner eigenen Sprache hier wiedermal unscharf artikuliert - getauscht kann hier gar nichts werden, sondern die Ukraine soll Land an Russland abtreten. Um des lieben Friedens willen. Letztendlich ein Diktat-Frieden, der mit Putins Werk und Trumps Hilfe die europäische Friedensordnung und die KSZE-Beschlüsse seit den Tagen von Helsinki in ihren Grundfesten zu erschüttern droht.
Auch wenn Wolodymyr Selenskyj in den jüngst zurückliegenden Monaten im Kreise der westlichen Unterstützer-Nationen seine Bereitschaft signalisierte, ggf. eroberte, nicht aber ukrainisch kontrollierte Gebiete, an Russland abzutreten, gilt im Grundsatz nach wie vor das Ziel, die volle territoriale Integrität der Ukraine wieder herzustellen und keine Zugeständnisse hinsichtlich Gebietsabtretungen an Russland zu machen. Im Prinzip verfolgt auch Selenskyj diese Linie weiterhin, wenngleich gelegentlich andere Töne verlautbart werden.
Seit dem Amtsantritt von Donald Trump und seinen globalen Peacemaker-Ambitionen ist aus der Sicht des Potus Trump, Wolodymyr Selenskyj der „Störenfried“, wie wir im Zuge des Treffens beider im Oval Office am 28. 02. 2025 erfahren konnten.
What ever it takes? Ganz so ungebrochen wie noch zu Jahresbeginn 2025 scheint der klare westliche Wille, vor Putin nicht einzuknicken, inzwischen nicht mehr zu sein.
In diesem Sinne bemühte jüngst auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte die normative Kraft des Faktischen indem er äußerte, "Wir müssen im Moment zur Kenntnis nehmen, dass Russland einen Teil des ukrainischen Territoriums kontrolliert." Und er folgerte daraus weiter, dass im Falle einer Einigung bzw. dem Zugeständnis an Russland, sich noch zu bestimmende, eroberte Gebiete der Ukraine einverleiben zu dürfen, unmissverständlich geregelt werden muss, dass es sich im Falle des Falles lediglich um die rein faktische Anerkennung von Gebietsabtretungen handelt und nicht um eine rechtlich verbriefte Abtretung von ukrainischem Staatsgebiet im völkerrechtlichen Sinn.
Zur Absicherung einer solchen Möglichkeit wären dann für die Ukraine verlässliche Sicherheitsgarantien des Westens nötig. Und eben daran arbeiten derzeit alle oben erwähnten Staaten in der Koalition der Willigen. Angeführt von Manuel Macron, Keir Starmer und mittlerweile ist auch Friedrich Merz höchst engagiert mit im Bunde.
Letzterem gelang es in der laufenden Woche vor dem avisierten Trump-Putin-Treffen am Freitag den 15. 08. 2025, einige europäische Staatschefs, Wolodymyr Selenskyj, Donald Trump, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa, Nato-Generalsekretär Mark Rutte sowie den US-Vizepräsidenten J.D. Vance zu einer Online-Konferenz am 13. 08. 2025 zusammenzurufen, um den Europäern und dem ukrainischen Präsidenten im Vorfeld des Trump-Putin-Treffens Gehör gegenüber den US-Vertretern zu verschaffen.
Auf russischer Seite wurden ebenfalls bereits Forderungen und Ziele formuliert. Wie „t-online“ in Berufung auf den „Corriere della Sera“ berichtet, hat der Putin-Berater Dmitri Suslow im Hinblick auf das Treffen in Anchorage festgestellt, "Das Abkommen besteht zwischen uns und den Vereinigten Staaten, ohne die Ukraine und Europa." Folgende Verhandlungspunkte wurden genannt.
- Abzug der ukrainischen Armee aus dem Donbass, sprich den Regionen Donezk und Luhansk.
- Abzug der russischen Truppen aus den Regionen Sumy, Dnjpropetowsk und Charkiw.
- Keinen Beitritt der Ukraine zur NATO.
- Entmilitarisierung der Ukraine und eine Verfassungsreform im Land.
- Beibehaltung der Frontlinien in allen anderen Regionen.
Seitens der US-Administration liegen bisher keine wirklich konkreten oder detailliert ausgearbeiteten Vorschläge vor; von Trumps vagem Gerede über einen Gebietstausch und Sanktions-Drohungen gegenüber Putin im Falle scheiternder Verhandlungen abgesehen.
Je näher der Termin des Gipfel-Treffens mit Putin rückte, umso häufiger sprach Donald Trump davon, dass er dieses Zusammentreffen in Anchorage ohnehin nur als ein Sondierungsgespräch (feel-out exercise) versteht. Wichtiger sei ein zweites Gespräch und weitere Gespräche. Und falls Putin sich aus Trumps Sicht am Tisch in Anchorage nicht angemessen verhandlungsbereit zeige, würde er, Trump, aufstehen und gehen.
Alles ziemlich vage und dünne Konzepte für Friedensverhandlungen des 47. US-Präsidenten, der ja im Wahlkampf und nach seiner Wahl 2024 tönte, er könne diesen Krieg ab seiner Amtseinführung am 20. 01. 2025 binnen Tagesfrist beenden.
Allerdings heißt es, dass die US-Administration die parallel erarbeiteten Vorschläge der Europäer grundsätzlich begrüßt.
- Allen Verhandlungen / Absprachen muss ein Waffenstillstand vorausgehen.
- Der Druck (vermutlich Sanktionspaket Nr. 19) auf die Russische Föderation soll im Zusammenhang mit fortgesetzter militärischer und finanzieller Unterstützung deutlich erhöht werden.
- Die Ukraine / Wolodymyr Selenskyj muss an allen Verhandlungen zwischen USA und Russland beteiligt werden.
- Die Ukraine muss souverän über ihr eigenes Schicksal entscheiden können.
- Robuste Sicherheitsgarantien sind nötig und die Ukraine muss ihre Souveränität wirksam verteidigen können.
- Auf potentielle Truppenrückzüge auf ukrainischer Seite müssen in adäquatem Maß russische Truppenrückzüge folgen und jeder Gebietstausch muss auf Gegenseitigkeit beruhen.
- Auf die EU-Mitgliedschaft der Ukraine und deren potentielle Aufnahme in die NATO wurde nicht eingegangen.
Im Großen und Ganzen sind die hier möglicher Weise nicht ganz vollständigen geschilderten Positionen hinlänglich bekannt. Im nunmehr gut dreieinhalb Jahre währenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine waren die zurückliegenden eineinhalb Jahre vorwiegend von einem festgefahrenen Stellungskrieg an der Front in der Ost-Ukraine gekennzeichnet. Erfolgreiche Offensiven der Ukraine in den ersten zwei Kriegsjahren zur Rück-Eroberung eigenen Territoriums sind seit ca. einem Jahr nicht mehr zu verzeichnen. Auch weil die inner-europäischen Debatten und Maßnahmen im militärischen Unterstützungswesen zu Gunsten der Ukraine, zu lange dauerten, Entscheidungen zu zäh nur häppchenweise umgesetzt wurden und Konsequenzen zu angstgetrieben erörtert wurden. Das betrifft teilweise auch die NATO-Ebene im Zusammenhang mit dem Regime-Wechsel in den USA von 2024 auf 2025 und der teilweise hysterisch geführten 5-Prozenz-Ziel Diskussion.
Ab dem Tag, als sich die westliche Welt wider den russischen Aggressor auf die Seite der Ukraine schlug, um mit dem ukrainischen Volk und dessen demokratisch gewähltem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, alle wieder und immer wieder postulierten Werte der Freiheit des freien Westens, der Freihandel-Märkte, der Menschenrechte, der Unverletzbarkeit von Staatsgrenzen und allem was ansonsten lateral in zahlreichen Verträgen und Chartas festgeschrieben worden ist, zu verteidigen, geriet dieser freie Westen in eine Art Kaninchen-vor-der-Schlange-Starre im Revier rund um seine Friedens-Dividende-Komfort-Zonen-Höhle.
Donald Trump hat die Welt mit vielfachen Präsidenten-Befehlen per dickem Filzstift auf Dokumenten in seiner zweiten Amtszeit unter Druck gesetzt. Im Falle seines Eroberungskrieges lacht Putin bisher über Trump.
Wir werden ab Freitag den 15. 08. 2025 eruieren können, was substanziell herausgekommen ist beim Treffen in heißen Zeiten auf eisigem Alaska-Boden. Höchstwahrscheinlich kaum mehr als bunte Bilder für die medialen Plattformen.
Anm. d. Red.: POTUS - Abkürzung für Präsident of the United States


